Dezentrales Clustern – Teil 1: Von der Idee bis zum Aufbau

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Dezentrales Clustern ist eine Form des Zusammenarbeitens, das bei Telecomix sehr gut funktioniert. Doch was ist das überhaupt, ein dezentrales Cluster, wie funktioniert es und was kann es? Diese Fragen werden in diesem Artikel am Beispiel Telecomix geklärt und so weit aufbereitet, dass jede Person in die Lage versetzt wird, ein solch dezentrales Cluster zu gründen.

Die Ausgangslage
Wir leben in einer Welt, in der dem mündigen Bürger (also uns) immer mehr Lösungen für Probleme jeglicher Art einfach vorgesetzt werden. Partizipatives miteinander zwischen Verwaltung, Politik und den Bürgern gibt es fast nicht.

Es gründen sich Bürgerinitiativen, Arbeitskreise und Vereine um dem Partizipationsproblem und -mangel entgegen zu treten. Initiativen und Arbeitskreise gründen sich für einen Zweck und lösen sich nach Vollendung des Zwecks wieder auf. Vereine sind meist auf eine längere Zeit ausgelegt, haben aber genauso wie vorher genannte Gruppen ein festes Ziel.

Die Entscheidungsstrukturen bestehen meist entweder aus einem Vorstand oder Vollversammlungen, die anstehende Themen diskutieren und Problemlösungen beschließen und umsetzen. Es gibt ein Entscheidungsgremium. Als einfaches Mitglied muss ich entweder den Vorstand von meiner Idee überzeugen, der dann die Entscheidung weiter trägt und an die Mitglieder „verkaufen“ muss oder aber ein Plenum diskutiert die Idee. Umsetzer muss ich immer noch suchen und selbst wenn die Mitstreiter vorhanden sind, ist nicht gesagt, dass die Entscheidungsgremien auch überzeugt sind. Viele gut Ideen, die sich mit aktuellen Problemen im Aufgabenbereich der Gruppierung auftreten, kommen nie über das Stadium der Diskussion hinaus.

Die Einstiegshürde in eine Gruppe ist oft sehr hoch. Schnell entstehen verschworene, geschlossene Gemeinschaften, die es neuen Mitgliedern schwer machen, sich einzubringen oder gar auf lange Sicht mit zu machen.

Um es kurz zu machen: Es ist schwer, in Gruppen mit zu arbeiten, wenn man noch nicht Teil dieser ist. Die Gruppen selbst haben langsame Entscheidungsstrukturen und können schwerfällig auf neue Begebenheiten reagieren.

Dezentrales Clustern – was ist es, was kann es?
Clustern ist das Zusammenführen von verschienden Ressourcen, um daraus Synergien zu schaffen und das gesamte Projekt weiter zu bringen. Unter einer Idee verbinden sich Eizelne zu einer großen Wolke. Im Einzelnen heisst dass:

  • Missionstatement formulieren
    Das Missionstemtent ist die Grundlage des Clusters. Unter diesem versammlen sich die Teilnehmer, um die Idee weiter zu verarbeiten, zu transportieren und auch zu erweitern. Es ist eng genug, um zu verstehen, um was es geht und weit genug, um Raum für verschiedene Ausläufer zu lassen. Bei Telecomix lässt sich dieses Missionstatemnt auf wenige Sätze zusammen fassen „Keep the net uncensored and free, let people communicate how and whatever they want. There is no reason to delete data which is in the internet aka digital wild.“ Alle Aktionen des Clusters lassen sich darunter zusammen fassen und sicher kommt da noch mehr – der inhaltliche Platz ist da.
  • Namenswahl
    Ohne Namen gehts nicht. Da der Spaß bei der aktivistischen Arbeit wichtig ist (und leider viel zu of verloren gegangen ist) muss er nicht Bierernst sein. Klangvoll, kräftig und themenbezogen – das reicht. Telecomix als Beispiel hat all dies: Er klingt nach, er ist kräftig und Telekommunikation ist auch irgendwie drinne. Hingegen sind die Namen „AK Vorrat“ oder „AK Zensur“ zwar themenbezogen, aber weder klignen sie nach noch sind die kraftvoll. Beide zusammen kann man in ein cluster packen, dass zum Beispiel „Digitalfreiheit“ heißt. Das ist eindeutig besser.
  • Schmeißt eine Party
    Ja genau. Schmeißt eine Party. Freunde und Bekannte einladen, die Interesse am Missionstatement des Cluster haben einladen, zusammen essen, trinken und nebenbei reden. Die ersten potentiellen Nutzer des Clusters lernen sich kenne und man kann anfangen zu arbeiten. Nach der Party. Telecomix wurde sogar auf einer Party gegründet.

Das Cluster ist gegründet, das Missionstatement ist da, die ersten Nutzer wollen starten. Jetzt ist das strukturierte Arbeiten angesagt.

  • Infrastruktur aufbauen
    Nun muss das zusammen arbeiten auch noch technisch möglich gemacht werden. Zum Start reicht ein IRC Raum in einem vorhanden  Netzwerk (z.B freenode – da gibt es auch einen webchat oder Telecomix – anderen Clustern wird gerne geholfen). Twitter Account registrieren, die ersten Follower finden. Freunde der Clusterteilnehmer sind oft die ersten Mutiplikatoren. Ein Blog bei einem Bloganbieter (WordPress oder blogsport seien hier genannt) und zur Wissensspeicherung eine Wiki (z.B Wikispaces). Technisch versierte Clustergründer können das sicherlich auch direkt auf eigener Infrastruktur hosten – das ist für den Anfang aber nicht nötig. Wichtig ist, dass man dabei die Arbeit des Aufsetzens auf viele Schultern verteilt. Das bindet die Teilnehmer des Clusters direkt ein und sie fühlen sich verantwortlich für etwas Gutes.
  • Es gibt einen Hauptkommunikationskanal (im Idealfall ein Chatraum im IRC mit Webchat)
    Einstiegsort und Treffpunkt des Clusters. Hier werden neue Ideen besprochen, bevor sie in andere Teile des Clusters ausgelagert werden, um dort bearbeitet oder vertieft zu werden. Er ist der Einstiegspunkt für neue Clusterteilnehmer: Allgemeine Fragen werden beantwortet, Mitmachangebote weiter geleitet. Natürlich ist es auch ein Ort zum „rumhängen“ und dem gegenseitigen Trollen. Der Spaß von der Party (siehe weiter oben) darf nicht verloren gehen. Wenn das Cluster keinen Spaß mehr hat, wird es sich auflösen oder sich in eine Gruppe transformieren, die langsam und Dröge sind.
  • Die ersten Projekte auf die Beine stellen
    Da ist sie, die erste Idee. Ab in einen seperaten Kanal und Mitstrieter mitnehmen. Im Hautpkanal geht es weiter wie bisher, die Ausarbeiung ist nun bei denen, die wirklich mitarbeiten wollen. Nicht wundern, wenn jemand den Kanal joint und nichts sagt – manche wollen einfach nur mitlesen und informiert bleiben. Die Porjekte großflächig kommunizeiren. „Tue Gutes und sprich drüber!“

Dann ist es so weit: Die ersten neuen Teilnehmer des Clusters kommen an. Ein großer Tag, scheint doch die Werbung für sich selbst dem Cluster Zuspruch zu bringen. Wie es weiter geht gibt es in Teil hier.

5 Antworten zu “Dezentrales Clustern – Teil 1: Von der Idee bis zum Aufbau”

  1. […] von Dezentrales Clustern, gehalten von Stephan Urbach. Sehr inspirierend, mit schoenen Aussagen: AKs sind in der Regel […]

  2. […] Dezentrales Clustern – Teil 1: Von der Idee zum Aufbau gibt es hier. […]

  3. […] re:publica: Dezentrales Clustern, Vortrag von Stephan Urbach […]

  4. […] zu finden, sondern nur eine, die sich unter einer gemeinsamen Idee versammeln kann/ will. In einem Blogbeitrag hat Stephan etwas ausführlicher beschrieben, wie man so einen Cluster aufbauen […]

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