Das Digitale im analogen Raum – Teil 3

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In den Teilen 1 und 2 habe ich hergeleitet, wie eine mögliche Zukunft der Stadt aussehen kann. Sie ist, um ehrlich zu sein, nicht schön. Doch was kann getan werden, um die Prozesse, die ich beschrieben habe, zu verlangsamen oder gar auf zu halten? Geht das überhaupt? Mit Sicherheit kann das natürlich nicht gesagt werden, meine Ideen (bzw. die Ideen anderer Menschen) können nur skizzenhaft Ansätze aufzeigen.

Den von mir Beschrieben Wandel der Stadt zum Megaplex mit seinem Heer aus Arbeitsdrohnen wird sich nicht aufhalten lassen, also müssen Wege gefunden werden, die Menschen zu befähigen, sich zu intellektuell und selbstbestimmt zu über das Dasein als Arbeitsdrohne zu erheben. Diese Befähigung beinhaltet unter anderem Bildung, Demokratisierung und Selbstbestimmtheit.

In einer digitalisierten Welt sind genannte Dinge einfacher zu erreichen als noch vor 20 Jahren. Das Netz als Mittel der Bevollmächtigung von an den Rand gedrängten Menschen, als Mittel der Artikulation und auch als Mittel der Partizipation – der Mensch bekommt im digitalisierten urbanen Raum das Werkzeug, dass ihn in die privilegierte Position bringen kann. In dem Megaplex ist es noch schwerer als jetzt schon, gehört zu werden – zwar kann sich jeder äußern aber ob es von jemanden wahr genommen wird, ist noch immer eine Frage der Reputation. Ich glaube, dass gerade in den neu entstehenden Randgebieten voll mit Präkariat der Überlebenskampf dazu führt, dass sich diejenigen Reputation aufbauen, die für eine gewisse Ordnung sorgen, aber nicht zwingend die Besten Ideen haben. Gewalt wird sich durchsetzen. Ich glaube, dass uns nur freie Kommunikation bewahren kann, irgendwann in gewaltsam geführten Gruppen am Rande des Plexes zu leben – und zwar jetzt!

Ich postuliere, dass das von mir beschriebene Bild verhindert werden kann, wenn wir heute anfangen, Politik und Verwaltung aus ihrem Elfenbeinturm zu holen, wenn wir die Kommunikation fördern und jeden Menschen teilhaben lassen (das heißt Ausbau von Breitbandverbindungen und Bürgernetzen, aber auch Zensurfreiheit) und wieder diejenigen die Stadt gestalten, die sie bewohnen.

Ich weiß, das ist alles nicht so trivial, wie es klingt, aber in Anbetracht der beginnenden Verslumung, der Prekarisierung von Tausenden von Menschen, einer übermächtigen Verwaltung und der Herrschaft von Spekulanten müssen wir handeln. Jetzt.

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2 Kommentare zu “Das Digitale im analogen Raum – Teil 3”

  1. scallo sagt:

    Ich finde deine Artikelserie gut und interessant. Und bin dankbar, dass du uns an deinen Überlegungen teilhaben lässt. Aber von der Herrschaft der Spekulanten zu sprechen, ist verkürzte Kapitalismuskritik.

  2. Toma sagt:

    Welche Rollen werden deiner Meinung Gewerkschaften in Zukunft einnehmen?

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