Wer will mit „meiner“ Frau schlafen?

7

Christian Ulmen hat es getan – er hat endgültig den Hai übersprungen. Sein neues Format „Who wants to fuck my girlfriend“ startet alsbald auf Tele 5. Darin sollen zwei Männer gegeneinander „antreten“. Wessen Freundin ist die hübschere und „bekommt mehr eindeutige Angebote“. Die Wettbewerbe werden sich wohl im Café oder beim Friseur abspielen, aber auch im Bordell und „auf dem Strassenstrich“. Die Freundin, für die sich mehr Freier entscheiden macht mehr Punkte für ihren Mann.

Das ist alles bestimmt total lustig gemeint, denn wer würde denn wirklich seine Freundin/Frau/$nahestehendeperson zu solchen Sachen animieren? Wer würde denn
wirklich so etwastun?

Selbst wenn es hier nach Doku-Soap Manier Schauspieler sind, die als Pärchen auftreten, ist die Message klar. Hier wird eine Wirklichkeit verkauft in der Männer mit ihren Frauen schachern. Sie als Objekte gegeneinander antreten lassen. Wer hat das schnellere Auto, das grössere Haus, die „geilste“ (Zitat Ulmen) Freundin.

Dem Anschein nach weiß Christian Ulmen ganz genau was er hier tut. Er verwendet strukturellen Sexismus für die Einschaltquote, für den Lacher zwischendurch, für die Kohle.

Vielleicht kann mensch sich diese Serie, wenn sie in vier Wochen läuft auch als Gesellschaftskritik ansehen. Ich glaube allerdings nicht, dass sie so gedacht oder positioniert wird. Es würde mich wundern, wenn die strukturellen Probleme reflektiert oder angesprochen würden. Hier geht es um Quote, Empörung im Vorfeld (ja, ich mache hier gerade dabei mit) und den faszinierten Ekel beim Zusehen. Ignorieren hilft aber leider eben auch nicht. Und so lässt das Konzept mich eher mit einem Gefühl der Machtlosigkeit zurück: Mit einem Hinweis auf den frauenverachtenden Charakter der Sendung helfe ich Ulmen beim Marketing, ohne einen Hinweis lasse ich ihn gewären. Denn sind wir mal ehrlich: Quoten wird die Sendung so oder so bringen. Dazu muss sich eins nur das Nachtmittagsprogramm der Privaten ansehen.

Ich habe überlegt, ob ich mich hierzu äußere oder nicht – ich habe mich gegen Schweigen entschieden. Ich möchte nicht, dass solche Sendungen unkommentiert für sich stehen dürfen, denn selbst bei der Ankündigung hat der Redakteur von DWDL.de kein wirkliches Problem mit dem Charakter der Sendung.

(Dieser Text wurde von @herrurbach und @map gemeinsam geschrieben. Das „Ich“ bezieht sich aber jeweils auf beide. Den Artikel gibt es auch drüben beim map.)

in der Kategorie

7 Antworten zu “Wer will mit „meiner“ Frau schlafen?”

  1. […] Text wurde von @herrurbach und @map gemeinsam geschrieben. Das “Ich” bezieht sich aber jeweils auf […]

  2. ulli sagt:

    Ach Gottchen, eine Sendung, die noch nicht mal gelaufen ist und ein Blogger, der Christian Ulmen nicht kennt. Ich schlage vor: Erst gucken, recherchieren, denken, dann schreiben.

    Ulmen hat seit Jahren mit seinen Formaten Gesellschaftskritik geübt (www.ulmen.tv), dafür den Grimme-Preis erhalten, das Fernsehen in herrlichen Texten persifliert ( http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/2809 ), und nein, Du hilfst Ulmen nicht bei der PR, sondern seinem Gesamtkunstwerk mit der seine Kunst umflorenden Dumpfbackerei derjenigen, die ihn einfach nicht kapieren und damit gekonnt demosntrieren, warum es auch Bachelor und Supermodel gibt (dagegen auch mal was verfasst?).

    Wahnsinn. Ulmen ist der Beste. Da regt sich die Welt über ein TV-Format auf, das noch gar nicht läuft, während der Bachelor unkritisiert vor Millionenpublikum Frauen auf’s Mieseste diskriminiert.

    Satire macht Spaß! Dank Leuten wie Dir!

    xx ulli

  3. […] Gründen irrelevant. “Die Kritikerinnen” ([ETA: Links vergessen] ich habe da mindestens zwei Männer wahrgenommen) sind keine homogene Gruppe mit ein und derselben […]

  4. Mike sagt:

    Guckt euch doch mal die „Stellungnahme“ seines „Produzenten“ an. Ihr werdet hier amateurhaft getrollt und merkt das gar nicht.
    Wir können um ganz, ganz viele Besitztümer wetten, dass dir dieser Beitrag sobald die Sendung angelaufen ist, saupeinlich sein wird.

    Wartet doch wenigstens die Ausstrahlung ab und kritisiert etwas, dass ihr gesehen habt und schießt hier nicht ins Dunkle.

    Ihr schadet euch damit nur selbst, denn je häufiger ihr Sexismus schreit und die Absetzung einer Sendung fordert und sich dann herausstellt, dass da gar nichts ist, desto unglaubwürdiger werdet ihr und dann wirds irendwann unmöglich sein Sexismus überhaupt zu bekämpfen.

    Es ist traurig,d ass ihr euch mit ein paar Reizworten sofort aufhetzen lasst und im Mob losmarschiert. Wir schreiben das Jahre 2013 ich hatte gehofft solche Zeiten wären vorbei.

  5. […] Auto, mein Haus, mein Boot, meine Nutte.  An dieser Stelle ein lautes DANKE an Ninia Binias und Stephan Urbach, die neben vielen anderen  darüber bereits letzte Woche gebloggt […]

  6. Charlotte sagt:

    An die „Satire“-Verfechter: Waere denn in euren Augen eine satirische Sendung ok, die sich aber extrem sexistisch im Vorfeld vermarktet? Fuer mich naemlich nicht.

  7. Charlotte sagt:

    Hm, ich revidiere mal: Die Aktion „Tits for human rights“ der Piratenpartei fand ich sehr gelungen. Ich waere aber wirklich sehr ueberrascht, wenn der Ulmen sowas aehnliches hinkriegt. Mal abwarten also..

%d Bloggern gefällt das: