Sprechen wir über Zensur

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ZensurSprechen wir über Zensur. Der allgemeine Zensurbegriff ist ja kein Geheimnis, er steht in der Wikipedia und kann grob als „Nachträgliche staatliche Anordnung auf Entfernen von Publikationen oder Streichung von Passagen“ zusammengefasst werden.

Nun wird im Internet ständig von Zensur gesprochen. Ein Kommenar wird entfernt? Zensur! Kommentare in einem Blog sind nicht erlaubt? Zensur! Ein Software wird in einem Store nicht zugelassen? Zensur! Eine Zeitung löscht einen Blog? Zensur! Ein Artikel wird nachträglich verändert? Zensur! Rassistische Sprache wird aus Kinderbüchern entfernt? Zensur!

Der Zensurbegriff, wie er im Netz rumgeistert, ist ein völlig schwammiger, verzerrter, der die Schwere der Handlung entwertet. Ich nehme mich da nicht raus, ich habe den Begriff auch schon „falsch“ benutzt – z.B. hier in der Spex. Ich halte es mittlerweile für falsch, Handlungen von Firmen als Zensur zu bezeichnen. Denn was passiert da eigentlich? Was machen wir genau, wenn wir das tun?

Wir geben Firmen eine quasi staatliche Stellung. Wenn wir Facebook, Twitter, Apple, Google oder wem auch immer Zensur nachsagen, dann gehen wir davon aus, dass sie staatliche Gewalt ausüben. Dann erhöhen wir sie in einem Maße, das ihnen nicht zusteht. Wir leben in Zeiten, wo wir Firmen eh schon viel zu viel Macht über uns geben – ihnen zu unterstellen, staatliches Handeln vollziehen zu können, gibt ihnen noch mehr Macht. Seht es mir nach, ich will hier keine Lanze FÜR die Firmen brechen, ich möchte sie nicht als Wohltäter hinstellen oder das ja alles gar nicht so schlimm sein. Ich will aber, dass wir differenzieren, dass wir nicht mit Sprache Fakten schaffen, die wir dann nicht mehr los werden. Ich schrieb schon früher über ein mögliches Bedrohungsszenario durch Konzerne und Firmen, Eleanor Saitta hat das in ihrem Text „Venture Worlodism“ (de/en) auch getan.

Doch wie nennen wir es denn nun, wenn eine Firma ein Handeln vollzieht, das wir nicht gut heissen, weil z.B. ein Social Network willkürlich Inhalte löscht/nicht zugänglich macht oder eine Software auf dem Apple Store oder dem google Play Store geworfen wird? Bisher wird „Zensur!“ gerufen. Das ist es aber nicht. Das Ausnutzen von Quasi-Monopolen ist nicht Zensur es ist.. ja, was ist es? Mir fehlt ein Wort dafür, dass erstens die Schwere des Eingriffs zeigt und zweitens den Firmen den Platz weist und ihnen zeigt, dass sie eben NICHT staatliche Akteure sind.

Wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir sie nennen wollen. Wir müssen uns aber auch darüber unterhalten (mal wieder) wie wir Dienste und Tools von Firmen bezeichnen wollen, die fast schon an Infrastruktur heranreichen. Die Ansage „Dann hosten wir eben selbst“ funktioniert ja meistens eher nicht so gut, denn es ist dann eine verhältnismäßig kleine Elite, die das tut und ein großer Teil der Bevölkerung wird daran nicht teilhaben können. Setzten wir doch mal auf einem nackten Linux einen Mailserver auf, der nahezu alle Features von googlemail hat. Die Flüche werden wir noch auf dem Mars hören.

ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, nachzudenken, Wörter zu erfinden und geschaffene Fakten zu hinterfragen und durch Sprache neue Fakten zu schaffen. Und daran können wir nur gemeinsam arbeiten – die Kommentare und Pingbacks gehören euch.

(Das Bild ist CC BY zensursula)

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21 Antworten zu “Sprechen wir über Zensur”

  1. Wie ich tweetete:

    „Nice. Vielleicht noch ein Ansatzpunkt: wie nennen wir es wenn Firmen im voraus Inhalte streichen, aus Angst zensiert zu werden?“

    Und wenn schon mehr Platz ist, konkret fällt mir dazu eben die „Quasi-Vorschneiderei“ von allerlei Medien ein die oft speziell für Deutschland stattfindet.

  2. eigensinn83 sagt:

    Ist der Zensurbegriff denn wirklich so festgeklopft, dass er sich lediglich auf staatlich Agierende beschränkt? Offenbar ja.

    Wäre es vielleicht sinnvoll, darüber nachzudenken, ob eine Erweiterung des Begriffes (nützlich und) zulässig sein könnte, um solche (und nur solche) nichtstaatlichen Agierenden mit einzubeziehen, die eine gewisse kritische Größe überschreiten? Ich finde ja.

    Dabei halte ich es aber für den absoluten Knackpunkt darauf zu achten, welche Kriterien gewählt werden und warum. Im Zweifelsfall ist es mMn besser, erstmal beim engeren Zensurbegriff zu bleiben, schon allein damit die Diskussion überschaubar bleibt.

    Ein mMn wichtiger Blogpost, Thx dafür!

  3. A.S. sagt:

    Wie wäre es, den Begriff Informationskontrolle bzw. -unterdrückung zu verwenden, und ihn durch entsprechende Adjektive zu modifizieren? Zensur ist dann „staatliche Informationskontrolle/-unterdrückung“; demgegenüber stünde „nicht-staatliche Informationskontrolle“, z.B. „kommerzielle Informationskontrolle“, „kirchliche Informationskontrolle“, „journalistische Informationskontrolle“, usw. In Fällen, wo durch Monopole und Oligopole (z.B. im Bereich sozialer Netzwerke) die Auswirkungen von Informationskontrolle ähnlich drastische Konsequenzen haben, wie bei staatlichen Akteuren, könnte man dann auch von „quasi-staatlicher Informationskontrolle“ o.ä. sprechen.

    Mir gefallen solche zusammengesetzten Begriffe immer sehr gut, weil sie es durch ihre transparente Bedeutung schwerer machen, sie mit zusätzlichen Bedeutungskomponenten (z.B. Bewertungen) aufzuladen. Die o.g. Beispiele könnten alle zusätzlich durch die Adjektive legitim und illegitim modifiziert werden, sodass z.B. zwischen „legitimer staatlicher Informationskontrolle“ und „illegitimer staatlicher Informationskontrolle“ unterschieden werden kann — der Begriff Informationskontrolle selbst ist ja zunächst neutral. Das ist selbst dann nützlich, wenn man glaubt, dass Informationskontrolle grundsätzlich illegitim sei — es ermöglicht es dann, Sätze wie „Eine legitime Informationskontrolle gibt es nicht“ zu sagen.

  4. schmiddie sagt:

    Im Wörter erfinden bin ich gut 😀

    wie wärs mit Löschilismus?

    alternativ hätt ich noch:

    -etwas äpfeln
    -Zensooglung
    -informistbauen
    -verdatenschwinden
    -so irgendwie nach esperanto: Zensüte
    -Datenquälerei
    -Bytemördertum
    -firmindizieren

    mehr fallen mir so auf die schnell nich ein… aber is n‘ anfang.

  5. […] Stephan Urbach – Sprechen wir über Zensur – Stephan Urbach über Zensur und die inflationäre Verwendung des Begriffs. Dabei mit dem wichtigen Hinweis, dass wir einen Umgang mit dem Status von Diensteanbietern finden müssen, da diese zum Teil an Infrastruktur heranreichen. […]

  6. plomlompom sagt:

    Oder man differenziert in seiner Rede einfach zwischen „staatlicher Zensur“ und „nichtstaatlicher Zensur“ und erklärt, dass man ersteres anders bewerte als letzteres.

    Einen vorhandenen Begriff für ein breites Problem zu Zwecken wirksamerer Polemik (der Begriff solle in seiner Wirkung nicht verwässert werden) auf einen Teil dieses Problems einzuschränken, ohne einen breit akzeptierten Begriff für den Rest des Problems in der Hinterhand zu haben, scheint mir auch politisch wenig sinnvoll.

  7. peter r sagt:

    „Wir leben in Zeiten, wo wir Firmen eh schon viel zu viel Macht über uns geben – ihnen zu unterstellen, staatliches Handeln vollziehen zu können, gibt ihnen noch mehr Macht.“

    Ich weiß ja nicht in was für einer komischen Welt du lebst, aber soweit mir bekannt ist, kannst du zumindest in weiten Teilen Eurpoas noch selbstbestimmt leben. Das schließt den bewußten Konsum oder Verzicht ein.

    Du musst einfach mal lernen Verantwortung für dein Handeln zu übernehmen. Mit einem iPhone in der Tesch rumlaufen und dann über die Machtausbungen seitens Apple zu schwadronieren ist irgendwie bigott.

    • CK_eins sagt:

      @Peter: Die Frage könnte man ebenso gut umdrehen 😉
      Selbstbestimmtes Leben unabhängig von Institutionen wie Unternehmen ist in dieser arbeitsteiligen Gesellschaft doch eher eine Illusion. Wer kann sich schon selbstbestimmt aus eigenem Anbau ernähren, oder zumindest komplett ohne Rückgriff auf Nahrungsmittelkonzerne? Wie ist es, wenn man mal krank ist? Woher kommt der Strom und wie kommt er zu uns? Wie sind wir mobil? Wie ist das mit der Telekommunikation… kann man fortführen.

  8. jack_mcrider sagt:

    Auf Nerdcore wurde gerade dieser Kommentar von Bernardo veröffentlicht, der das Word „Nachrichtenentscheidung“ einbringt: http://www.crackajack.de/2013/03/19/facebooks-geschichte-politischer-zensur/#comment-834526637

  9. […] bestimmte Ansichten und Meinungen öffentlich zu äußern. Stephan Urbach hat das kürzlich schon in seinem Blog dankenswerterweise […]

  10. […] Urbachs Kritik am inflationären Gebrauch des Wortes “Zensur” ist in der Sache richtig, denn Zensur ist laut der deutschen […]

  11. […] öffentlich zu äußern. Stephan Urbach hat das dankenswerterweise kürzlich schon in seinem Blog […]

  12. […] die gelöschten Beiträge von Jürgen Domian wird häufig von Zensur gesprochen. Kritiker dagegen wenden in solchen Fällen generell ein, dass es sich hier nicht um Zensur handele, weil kein staatlicher Eingriff vorliege. Ich finde […]

  13. Struppi sagt:

    Das ist ein Problem, was viele haben.

    Eine Firma handelt nach ihren AGB, die jeder akzeptiert (i.d.R. ohne sie zu lesen) der Dienstleistungen dieser Firma in Anspruch nimmt.
    Und dann wird sich beschwert wenn diese AGB nicht im eigenen Sinn ist und die Leute reden von „Zensur“, nur weil der Betreiber sein Recht durchsetzt. Das ist absurd.
    Aber das sollte genau dazu führen, dass die Leute ihre eigenen Sprachrohre und Plattformen aufbauen und unterstützen, leider fehlt aber vielen diese Weitsicht.

  14. lorem sagt:

    Hallo, ich bin vom Fach (Linguistik-Master in spe).

    Du hast richtig erkannt, dass es einen Unterschied macht, ob „Zensur“ staatliche Zensur oder Zensur im Privaten (darunter fasse ich mal einfach alles andere zusammen, was du genannt hast) meint. Allein aber die Tatsache, dass Leute den Begriff „Zensur“ auf ‚beide‘ Arten von Zensur, d.h. des sprachunabhängigen Konzeptes von Zensur, anwenden, deutet darauf hin, dass sie von beiden Konzepten abstrahieren und den Begriff bzw. die Menge an damit zu bezeichnen möglichen Konzepte erweitern. Das kann mehrere (individuelle) Ursachen haben:

    a) Sie kennen den Unterschied nicht,
    b) Sie kennen ihn und möchten (im jeweiligen Kontext) darauf aufmerksam machen, dass beide ähnlich zu handhaben sind, oder
    c) Sie kennen ihn und verlassen sich darauf, dass er im Kontext dessen, was sonst noch so gesagt wird, klar ist.

    Dass der gleiche Begriff mehrere Bedeutungen trägt oder je nach Kontext enger oder weiter zu verstehen ist, ist wahrlich keine Seltenheit. Ich würde sogar fast behaupten, dass das der Standardfall ist (da befinden wir uns aber mitten im Schlachtfeld kontroverser linguistischer Debatten). Man sieht dies etwa, wenn man Alltags- oder Fachsprache vergleicht (z.B. „Fisch“ als Möglichkeit um alltagssprachlich auch auf Wale zu referieren vs. „Fisch“ als biologischer Gattungsbegriff, der Wale nicht umfasst; um mal ein stimulierendes Beispiel zu nennen). Und so gibt es eben auch mindestens zwei Zensurbegriffe, nämlich einen rechtlichen und einen alltagssprachlichen. Dass der rechtliche so vergleichsweise strikt ist, liegt daran, dass Fachtermini mit dem Willen geschaffen werden, möglichst eindeutig zu sein. Was der alltagssprachliche Zensurbegriff nun bedeutet ist dem Wechselspiel aus Interpretation und Verwendung desselben innerhalb der Sprechergemeinschaft überlassen.

    Sprache und insbesondere Bedeutungen von Ausdrücken sind Konvention. Und diese sind, wie so oft bei gesellschaftlichen Konventionen, pragmatisch motiviert und infolgedessen temporär, das heißt auch Veränderungen unterworfen, die aus dem spontanen Willen zur Benennung resultieren. Insbesondere gibt es eben Änderungen der Art, dass die Bedeutung eines Begriffs eingeengt oder ausgeweitet wird. So bedeutete der ‚Urahne‘ des Wortes „Pferd“ vor allem *Kurierpferd* und heute eben, was es heute bedeutet.

    Auch werden ständig neue Wörter oder allgemein Ausdrücke herangezogen, um aus pragmatischen Gründen neue Dinge oder Sachverhalte zu benennen. Manchmal importiert man Wörter aus anderen Sprachen, meistens bildet man aber spontan neue. Man könnte sich zum Beispiel eine Situation vorstellen, in der Heu gesammelt und in einer Tasche verpackt wurde. Auf die Tasche nun mit „Heutasche“ zu referieren wäre dann nicht ungewöhnlich und es würde wahrscheinlich weder Sprecher noch Hörer auffallen, dass dies ein vorher vielleicht ungehörtes Wort ist. Allerdings wird die Halbwertszeit des Wortes eher gering sein, weil die Abgrenzung einer solchen Heutasche von anderen Taschen eher selten noch von Bedarf sein sollte. Es kann natürlich auch anders kommen. Etwa dann, wenn das Heusammeln und die Unterbringung des Heus in einer Tasche zur Tradition wird und die Heutasche plötzlich an Wichtigkeit gewinnt.

    Jetzt der praktische Teil. Was hat das alles mit deinem Beitrag zu tun bzw. worauf will ich hinaus?

    Du möchtest darauf hinweisen, dass staatliche Zensur eben nicht dasselbe ist wie nichtstaatliche Zensur. Daran ist nichts auszusetzen; ist es sicher wert mal drüber nachzudenken. Du möchtest, um die Abtrennung auch sprachlich auszudrücken, einen neuen Begriff finden. Kann man auch machen. Macht man, wie oben schon geschrieben, jeden Tag. Du verfasst das Ganze als Aufruf zur Ideenfindung. Und das in einem politischen Kontext. Hier beginnt es für mich problematisch zu werden.

    Wir leben in einer stark schriftsprachlich geprägten und wissensbasierten Gesellschaft. Man schaut etwa in ein Wörterbuch oder Lexikon, um die Bedeutung eines Wortes zu erfahren. Dabei geht es in den meisten Fällen um die Bedeutung im jeweiligen Kontext, auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Wir unterliegen aber nur all zu oft dem Trugschluss, dass die im Lexikon (oder im ganzen Internet) aufgeführten Bedeutungen ausschöpfend und in Stein gemeißelt sind. Dies ist deshalb ein Trugschluss, weil wir sonst Sprache nicht so handhaben, sondern ziemlich flexibel, was uns gleichzeitig eine ziemlich große Macht zur Benennung der Welt gibt. Wenn jemand auf einen Wal mit „Fisch“ referiert und jemand anders darauf erwidert, Wale seien ja gar keine Fische, obwohl auch in seinem Kopf die Alltagsbedeutung ‚einprogrammiert‘ ist, dann ist das ein solcher Trugschluss.

    Das Beispiel ist vielleicht unwichtig. Aber wenn es politisch wird, wird diesr Trugschluss plötzlich. Nämlich dann, wenn ein Begriff und seine Verwendung als einzig richtig verwendet werden. Die Vorstellung, man müsse nur einen Begriff erfinden und ihn dann bewerben, um ihn zu etablieren, ist weit verbreitet und vielleicht auch gar nicht so falsch, weil es in manchen Fällen ja sogar klappt. Nicht selten findet diese Werbung aber mit der Holzaxt statt und die Verwendung oder Nichtverwendung eines Begriffs oder anderen sprachlichen Form führen nicht mehr einfach nur zu mehr Aufmerksamkeit oder Identifikation mit einer Gruppe (auch ein möglicher und häufiger Zweck von Neologismen oder Umdeutungen), sondern tatsächlich zu Ausgrenzung und Unterstellungen, obwohl der Sprecher oder die Sprecherin nur so handelt wie oben in a-c) angegeben. Ironischerweise geschieht dies häufig sogar mit dem Ziel, Ausgrenzung eigentlich zurückdrängen zu wollen (Ich unterstelle niemandem einen Vorsatz; ich sagte ja, dass wir alle dem angesprochenen Trugschluss unterliegen). Was man dann nämlich macht, ist der Sprechergemeinschaft ihre Teilhabe an dem konventionellen Gebilde Sprache zu entziehen, die ja eigentlich das basisdemokratischste ist, was wir besitzen.

    Langer Rede kurzer Sinn: Abweichende oder neuartige Verwendung von Sprache kann Aufmerksamkeit auf Unterschiede schaffen, aber Forcierung mit der Holzaxt kann ausgrenzen und objektiven Diskurs verhindern.

    Oke das wa ales.

    PS: Der Kommentar ist länger geworden als geplant, aber ich denke, er ist hier in guten Händen. Ich denke einfach, dass die von mir vorgebrachten Punkte einfach viel zu wenig Beachtung finden, wenn es um Sprache und der Kritik an dieser geht. Auch ist dein noch nicht vorhandener Begriff noch nicht irgendwie politisch oder sonst wie gesellschaftlich aufgeladen und es ist hier ungefährlicher für alle beteiligten, als ein schon umkämpftes Schlachtfeld zu betreten.

  15. […] lustig, dass die vor kurzem aufflammende Diskussion um “Zensur” auf Facebook (zb. Herr Urbach, Antje Schrupp), auf eine gewisse Art zurückschlägt. Und zwar in der Folgedebatte um das […]

  16. Dustin H. sagt:

    Was ist das denn bitte für ein Artikel?

    „Wir geben Firmen eine quasi staatliche Stellung. Wenn wir Facebook, Twitter, Apple, Google oder wem auch immer Zensur nachsagen, dann gehen wir davon aus, dass sie staatliche Gewalt ausüben.“

    Wie hast Du Dir das zusammen gereimt?

    Wer definiert, dass Zensur nur vom Staate ausgeht? Gehören Medien zum Staat? Meistens nicht, aber ist es dann keine Zensur, wenn sie bestimmte Dinge schneiden oder einfach herausnehmen? Weshalb werden Live-Sendungen seit Jahren nicht mehr wirklich „live“ übertragen? Selbst Sender wie 3-SAT schneiden Dinge heraus (ich werde hier keine Beispiele bringen, Recherchieren ist eines der schönsten Dinge im Internet).

    WER hat festgelegt, dass der lateinische Begriff „censura“ impliziert, dass Zensur nur vom Staat/von staatlicher Seite erfolgen kann?
    Mir ist es völlig gleich, von wem Zensur ausgeht. Wer Kritik verbietet, wer auch immer er ist, zensiert. Dabei ist es relativ egal, worum es geht. Natürlich kann man Beldeidigungen, Herziehen über Religion/Herkunft/Aussehen löschen oder verbieten, das gebietet das Grundgesetz. Aber Kritik zu zensieren hat nichts mit „staatlicher Gewalt“ zu tun.

    Zumal im Wikipedia-Artikel von „[…] in der Regel […]“ gesprochen wird. Wikipedia ist definitiv eine tolle Erfindung, Wissen für alle ist etwas, wonach Menschen Jahrhunderte strebten, aber es ist nicht das Maß aller Dinge.

    Darum hier meine Kritik – Zensur kann von jedem ausgeübt werden, der öffentliche Beiträge zulässt und Diskussionen herausfordert.
    Auch Rechtsextremististen sehen das Verbieten ihrer Propaganda gern als Zensur an, dem ist definitiv zuzustimmen. Hier sollte man sich jedoch bewusst werden, dass in einigen (dennoch wenigen) Fällen diese Zensur durchaus angemessen ist, um andere Menschen vor geistigem Dünnschiss zu bewahren. Zumal Extremisten dazu neigen, Unwahrheiten als Tatsachenbehauptungen in den Raum zu stellen.
    Und wer will gern Tatsachenbehauptungen mit extremistischem Gedankengut auf seiner Seite haben?

    So far
    Dustin

  17. Holger Bauer sagt:

    Danke an Stephan für diesen Beitrag,
    ich bin ein alter Sack, der noch ECHTE Zensur am eigenen Leib erleben musste!

    Mich nervt es schon lange, wie die Wohlstands-Kiddies heutzutage diesen Begriff mißbräuchlich und unüberlegt verwenden und er inzwischen durch die ständige Überbeanspruchung völlig entwertet wurde.

    ECHTE Zensur ist etwas schreckliches und haben die Bubis in der heutigen Zeit noch nie erlebt! Stattdessen verwenden sie den Begriff meist nur für ihr KONSUMVERHALTEN nnd degradieren ihn zu einer Forderung nach grenzenlosem Kommerz in ihrer Spaßgesellschaft.

    Wenn z.B. die Filmindustrie den neuesten Horrorstreifen um eine Folterszene kürzt um ihn als FSK16 herauszubringen, bricht für die Konsum-Bubis schon wieder der Zweite Weltkrieg aus und es wird „Zensur“ geschrien. Wenn in einem Videospiel das Blut der Aliens nicht rot, sondern grün ist, wird „Zensur“ geschrien. Wenn ein kommerzielles Online-Portal oder Forum, das faktisch Hausrecht besitzt, einen Hass-Kommentar nicht veröffentlicht, wird schon wieder „Zensur“ geschrien.

    Eigentlich sollte man das nicht sagen, aber ich wünsche den Konsum-Kids aus der heutigen Spiel- und Spaßgesellschaft, die wegen allem und jedem ständig „Zensur“ plärren, einmal in einem Land und in einer Zeit zu leben, in der ECHTE staatlich verordnete Zensur existiert – dann würdet ihr ganz schnell aufhören, das Wort so gedankenlos zu mißbrauchen.

  18. […] Zensur passt in der Regel übrigens auch nicht. Zensur meint – wie bereits in anderen Blogs angesprochen – vom Wortsinn eigentlich einen (präventiven) Eingriff des Staates (sogenannte Vorzensur), um […]

  19. […] ist sich als Sprachwissenschaftler der Wertung der einzelnen Begrifflichkeiten bewußt und schlägt vor sich auf den Begriff "Informationskontrolle" zu beschränken und den je nach Kontext noch um den Kontrolleur zu ergänzen "staatliche Informationskontrolle". So […]

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